Na sowas!

In der Bahnhofsbuchhandlung, ich möchte ein Buch zahlen. Vor mir an der Kasse eine Frau, die eine teure Zeitschrift kaufen will. Sie hat ihr Portemonnaie in der Hand und entweder keinen Schein drin, oder sie möchte Kleingeld loswerden. Gut. Sie zählt ab, beinahe centweise – zehn, zwanzig Cent, höchstens mal ein Fünfziger.

Nein, sie legt das Geld nicht gleich auf den Tresen, damit der Verkäufer schon mal nachzählen könnte und die ganze Sache wenigstens etwas schneller ginge…! Nicht doch. Sie kramt das Geld münzenweise gefühlte zehn Minuten lang umständlich in ihre Hand. Legt es danach in einem Haufen vor den Verkäufer, der dann erst anfangen kann mit Nachzählen. Wobei er ein bisschen schneller ist als sie, wodurch meine Chance steigt, meinen Zug noch zu bekommen.

Jaa, ich weiß, das haben Sie auch schon erlebt, die Situation kennen wir alle, nicht?

Ich überlege: Sage ich was? So in Richtung “na, geht´s vielleicht noch langsamer?”. Naja, frau will ja nicht unhöflich sein, ich verkneife es mir; richtig in Eile bin ich auch noch nicht. Auch der Verkäufer bleibt ja geduldig, schließlich muss man ja rücksichstvoll sein mit so alten Damen… MOOOment!

Das haben Sie doch jetzt gedacht, stimmt´s? Dass es sich um eine ältere Frau gehandelt hat, die da – angeblich – typischerweise ihr Kleingeld rausgewurstelt hat?

Na sowas – die Frau mit der Edelzeitschrift ist höchstens Anfang zwanzig, toll gestylt, trendy zurecht gemacht. Und ich gebe meiner Ungeduld nur deshalb keinen Ausdruck, weil meine Bewunderung (oder sowas Ähnliches) überwiegt. Die Frau denkt gar nicht daran, sich zu entschuldigen, weil es so lange dauert – ich würde das tun, oder den Kunden nach mir diese Wartezeit gar nicht erst nicht zumuten. Aber – warum eigentlich nicht?? Rücksicht? Oder doch mehr die alte Angst, anzuecken und unangenehm aufzufallen??

Die Frau lächelt, als sie das Geld hinlegt – aber ihr ist offenbar nichts peinlich. Und ich schwanke zwischen “unverfroren” und “tolles Selbstbewusstsein”… ! Letzterer Gedanke ist aber stärker, und ich gedenke, mir in Zukunft ein Scheibchen davon abzuschneiden. Nicht, dass ich nun vorsätzlich den Verkehr aufhalten will, nur um mir was zu beweisen – aber wenn es sich mal ergibt, werde ich dabei – hoffentlich – die selbe souveräne Ruhe zelebrieren. Und das lange, bevor ich siebzig werde. Jawohl!

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