Jung bleiben? Um Gottes willen…!

Seit ich mein Seminar “Jung bleiben? Aber natürlich!” anbiete, begegnen mir immer wieder sehr interessante Gedanken zu dem Thema. Und ich stelle immer öfter fest, wie ambivalent die meisten von uns dazu eingestellt sind…!

Mitten in einem Seminar entschuldigt sich eine Teilnehmerin (Mitte fünfzig) für irgend etwas mit dem so häufig gehörten Satz: “Tja, so ist das eben, wenn man älter wird…!”

Wie ich zu solchen Aussagen stehe, will ich hier jetzt gar nicht darlegen. Vielmehr kam mir kurz danach ein Gedanke, der sich seither immer wieder mal zu bestätigen scheint: Viele Menschen wollen tatsächlich gar nicht “jung bleiben” – aber nicht, weil sie ach so uneitel wären oder sich bisher nicht klar gemacht haben, was “alt sein” im unangenehmen Fall wirklich bedeuten kann. Nein; sie verbinden “jung sein” tatsächlich unbewusst mit etwas, was ihnen im Lauf der Jahre mit Beruf, Familie etc. offenbar immer lästiger wird: Mit Verantwortung!

Da kommen offenbar Ideen auf wie: Wenn ich jung/jugendlich bleibe – also nicht immer vergesslicher werde, nicht gebrechlich werde, nicht (ernsthaft) krank werde, nicht dement werde…. – dann, oh Gott, dann kann ich mich ja niemals ausruhen, sozusagen…! Dann MUSS ich ja mein Leben lang alles, was ich eigentlich (wenn ich es mal wage, gaaanz ehrlich zu sein!) irgendwann nicht mehr müssen will: viel arbeiten, Neues lernen, interessiert sein, “auf Zack sein”, fit bleiben, anderen helfen und sie unterstützen, und, und, und.

Tja, liebe Leute – DAS ist echt ein Dilemma, oder? Ich überlege seit einiger Zeit, was denn da zu tun wäre, denn ich finde nach wie vor, dass “alt werden” im unschönen Sinne (wie oben beispielhaft dargelegt) ein zu hoher Preis dafür ist, nicht mehr “zu müssen”. Und da gibt es anscheinend nur eine Lösung, die natürlich für jede/n von uns unterschiedlich machbar ist: So viel wie möglich JETZT schon leben von dem Gewünschten!

Sich JETZT immer wieder fragen: Muss ich dies oder jenes wirklich? Will ich dies oder jenes wirklich? Wo kann ich weniger TUN, um mehr Zeit zum SEIN zu haben – jetzt schon, nicht erst mit 85 im Rollstuhl…! Wo kann ich “loslassen, was nicht glücklich macht” (wie ein bekannter Buchtitel lautet) – jetzt schon, nicht erst, wenn mich”das Alter” dazu zwingt?!

Ich glaube, das ist ähnlich wie mit Jahresurlauben, auf die so viele Menschen immer wieder hinleben (und die dann oft enttäuschend sind, weil sie mit Erwartungen völlig überfrachtet wurden und ein ganzes, allzu stressiges “Maloche”-Jahr ausgleichen sollen). Nichts gegen schöne Urlaube, ich liebe sie! Aber ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass ich solche Urlaube, je mehr ich im ALLTAG achtsam bin und für “kleine” Freuden und Nettigkeiten sorge (die ja ganz oft gar nicht viel kosten müssen…), weniger BRAUCHE.

Und so ist es vielleicht auch mit dem Alt-Sein: Je eher und öfter ich mein Tun und Sein im Alltag hinterfrage (Will ich wirklich drei Kinder?? Bin ich wirklich so verantwortlich für alles um mich herum, wie ich oft glaube? Kriegt mein Kind echt ein lebenslanges Trauma, wenn ich keine Megaparty – inklusive Besuch im Freizeitpark mit zehn Kindern für 45€ Eintritt pro Kind – zu seinem Geburtstag wuppe? Brauche ich unbedingt einen schickeren Wagen/dieses 1000€-Outfit/diesen 350€-Shopper zum glücklich sein… na, ihr wisst, was ich meine, oder?!)

Ich wünsche uns allen, dass es uns immer besser gelingt – und wenn es erst nur in kleinen Schritten ist – unseren Alltag so zu gestalten, dass wir nicht erst “alt werden” müssen, um uns endlich, tja – frei zu fühlen…!

Und die Rapperin meint:

Ich gönne mir im Alltag oft was Gutes,

denn damit bleib ich guten Mutes.

Und die wirklich “großen” Sachen

werden um so mehr Freude machen!

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