Herrlich Souverän

Uuuups – was ist das denn??!

Woher kommt dieses tiefe, fast schon zu intensive Gefühl in meinem Herzen, das mich – echt wahr – fast weinen lässt?

So besonders oder gar ungewöhnlich war dieses kleine Erlebnis eben doch wirklich nicht:

Zwei kleine Jungen am Straßenrand in der kleinen Ortschaft, durch die ich gerade fahre, wollen offensichtlich gleich die Straße überqueren. Am Zebrastreifen, der sich etwas weiter vorne befindet, fein so wie sich´s gehört.

Ich fahre also schon mal langsamer, um ihnen zu signalisieren, dass sie gehen können; das Auto aus der Gegenrichtung tut offenbar das Gleiche.

Und die beiden Bürschchen – vielleicht zehn und sechs Jahre alt, womöglich Brüder – gehen auch. Aber nicht einfach so!

Vorher schaut der Ältere in beide Richtungen – prima, gut gelernt! Aber nicht nur das, er gibt mit seinem ausgestreckten Arm ein deutliches Zeichen, dass die beiden über die Straße gehen wollen. Das lernen die Kleinen offenbar heutzutage, ich habe es schon ein paar Mal gesehen und finde es ganz klasse.

Mit irgendwie rührender Ernsthaftigkeit bedeutet der Größere offenbar dem Kleinen, dass er das Gleiche tun solle, und der macht es auch brav; und dann überqueren die Beiden die Straße.

Zuerst muss ich nur lächeln, weil ich sie so niedlich und gleichzeitig großartig finde.

Und dann – verflixt nochmal, was soll das nun?! – kommen mir die Tränen. Was ist denn da los?

Ich versuche, während ich weiter fahre, zu erspüren, was mich an dieser doch wirklich nur netten kleinen Szene so berührt. Nein, es ist keine Traurigkeit, warum auch, ich sehe ja keine gequälten kleinen Geschöpfe oder irgend so was, ganz im Gegenteil!

Ich merke, dass es tatsächlich die viel zitierten „Tränen der Rührung“ sind, die mir da in die Augen kommen. Und versuche herauszufinden, was mich da so intensiv angeht.

Allmählich wird mir klar, dass es eine ganz tiefe Freude ist, die ich da spüre.

Ich freue mich ungelogen zu Tränen über diese Kerlchen, die da so souverän und gleichzeitig ganz achtsam über die Straße gehen.

Souverän – sie machen prima alles so, wie sie es gelernt haben! – und trotzdem nicht unvorsichtig. Aber eben auch nicht ängstlich – sie machen alles richtig und wissen das auch.

Auch die Art, wie der Ältere eine gewisse Verantwortung für den Kleineren übernimmt, gefällt mir: Er stellt sich etwas vor ihn, bedeutet ihm anscheinend, nicht ohne ausgestreckten Arm über die Straße zu gehen. Aber er gängelt ihn nicht (wie ich das früher manchmal mit meinem kleinen Bruder getan habe – sorry…!), sondern unterstützt ihn offenbar nur dabei, das Gelernte anzuwenden.

Möglicherweise deute ich zu viel in diese Sache hinein, aber was soll´s? Für mich bietet sich hier nämlich eine unerwartete Gelegenheit, mal wieder ganz klar zu erleben, was ich im Laufe meines Lebens immer wichtiger finde und mir – und eigentlich jedem – von Herzen wünsche: Souverän zu sein, aber nicht dreist dabei! Achtsam zu sein, aber eben nicht furchtsam.

Und das nicht nur beim Überqueren eines Zebrastreifens, sondern als Lebenseinstellung…!

Ich glaube nämlich, dass es sich damit ziemlich gut und freudvoll leben lässt.

Und die Rapperin kommentiert:

Ihr Bürschchen, ihr habt mir super gefallen,

und euer Verhalten wünsch´ ich uns allen:

Souverän und sicher und achtsam dabei,

aufmerksam und freundlich und ganz ohne Scheu!

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